8. Juli 2017 – Ein Brief aus Hamburg

serveimage

Liebe Omi,

wie geht es Dir? Frieda und ich sind am Dienstag nach Hamburg an der Elbe gefahren. Und ich kann Dir sagen: Hier ist vielleicht was los! Als erstes wollten wir unbedingt das Wasser sehen und sind zu den Landungsbrücken gefahren. Dort war es sehr schön, allerdings auch ganz schon windig. Die Elbphilharmonie kennst Du ja bestimmt aus der Zeitung – die ist riesig! Allerdings ist da alles schon seit Monaten ausverkauft. Frieda hat sich dann erstmal ein Fischbrötchen gegönnt. Ich natürlich nicht, Du weißt ja, dass ich keinen Fisch mag.

Später ging es dann zur Reeperbahn. Da waren sehr viele Polizisten unterwegs, darüber haben wir uns ziemlich gewundert. Abends waren wir dann in einer Kneipe. Dort gab es »Mexikaner gegen Trump«. Das mussten wir unbedingt probieren. Man trinkt es aus kleinen Gläsern. Es war sehr, sehr scharf! Und es hat auch ein bisschen geschmeckt wie Deine berühmte Tomatensoße. Nach fünf oder sechs davon sind wir dann mit den Leuten in der Kneipe ins Gespräch gekommen.

Die haben uns erzählt, dass der rote Schnaps vor knapp 30 Jahren in einer Kneipe bei der Reeperbahn entstanden ist. Seitdem wird er in vielen Läden hier im »Kiez« in Eigenregie hergestellt. Jetzt will aber in den nächsten Tagen der Mann in den Kiez kommen, der, so sagen die hier, wie kein anderer Rassismus und Sexismus verkörpert. Und der an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen will: Donald Trump. Den kennst du doch auch aus dem Fernsehen, oder? Er kommt hierher nach St. Pauli, weil er sich mit anderen Politikerinnen und Politikern treffen will. Dieses Treffen heißt G20-Gipfel. Die Leute in der Kneipe haben uns erzählt, dass viele Menschen hier nicht mit Trump und seinen Sprüchen einverstanden sind. Und dass die Stadt schon seit Monaten zu einer Art Festung umgebaut wird, mit Absperrungen und viel Polizei und ständig werden ganz viele Leute kontrolliert.

Wir haben dann davon gehört, dass am nächsten Tag ein »Gipfel für globale Solidarität« beginnen soll. Eine Frau am Tresen sagte dazu sowas wie: »Wir wollen unsere Kritik zusammentragen und vertiefen. Wir wollen uns über Alternativen austauschen und vor allem Bündnisse und Strategien zu ihrer Durchsetzung entwickeln.« Das klang irgendwie interessant, und deswegen sind wir dann am nächsten Morgen da hin. Es fand in einem ziemlich großen Theater statt. Wir haben echt viele tolle Leute kennengelernt. Die kamen von überall her, nicht nur aus Hamburg. Es gab viele interessante Diskussionen und Gespräche.

Am Ende des Tages habe ich ein bisschen besser verstanden, warum es so viel Not und Armut gibt auf der Welt und ich finde es richtig, dagegen auch etwas zu sagen. Meinst Du ja auch immer: Man muss den Mund aufmachen, wenn man merkt, dass etwas schief läuft.

Dieser Gipfel ging am Tag drauf noch weiter – aber wir haben nach dem Frühstück überlegt, das wir das alles erstmal verarbeiten müssen. Deswegen sind wir wieder runter zu Elbe gegangen und haben uns mit einer Limo in den »Park Fiction« gesetzt. Das ist so eine kleine Grünfläche mit Metallpalmen drauf. Also nicht ganz so ein Park wie bei uns zu Hause, aber trotzdem ganz schön. Dort saßen wir eigentlich den ganzen Tag und haben die Sonne genossen. Abends haben wir dann ein Restaurant gesucht. Dabei sind wir plötzlich in eine Demonstration geraten. »Welcome to hell« hieß die und wir sind einfach mitgelaufen, weil das ja auch die Leute waren, die den Gipfel der Solidarität mitgemacht haben. Das waren echt viele, bestimmt mehrere Tausend. Auf einmal waren wir mit den ganzen Leuten mitten in der »roten Zone«. So heißt alles, was hier die ganze Zeit in der Stadt abgesperrt ist. Und plötzlich standen wir sogar direkt vor den Messehallen. Das ist da, wo dieser Gipfel stattfindet, wo auch Donald Trump jetzt hinkommt.

Da wollten wir dann natürlich auch am nächsten Tag hin – wann kriegt man schon mal all die ganzen Großen und Mächtigen? Ganz in echt und in Farbe? Am nächsten Morgen war dann die Enttäuschung aber ziemlich groß: Egal, wo wir hinkamen, überall wurden wir weggeschickt. Aber dann wurde es doch noch sehr aufregend. Ich weiß gar nicht, wo all die Leute plötzlich herkamen, aber das war wirklich toll und hat die Polizisten mit ihrer roten Zone ganz schön auf Trab gehalten. Aber das erzähle ich dir vielleicht besser, wenn ich wieder zurück bin.

Heute wollen wir noch zur Großdemonstration »Grenzenlose Solidarität statt G20!« Morgen geht es wieder zurück. Das waren wirklich ein paar aufregende Tage hier in Hamburg.

Ganz liebe Grüße schickt Dir

Deine Tina

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s