Kein soziales Rostock

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Am 6.Juli sollte die Bürgerschaft der Stadt Rostock über den Abriss bzw. Erhalt des ehemaligen Stadtteilbegegnungszentrum (SBZ) in Toitenwinkel entscheiden. Der Verein Soziales Rostock e.V. hat sich vor knapp über einem Jahr gegründet, mit dem Ziel das Gebäude in Toitenwinkel und/oder in Dierkow zu erhalten, um dort Räume für alternative Wohnmöglichkeiten und sozio-kulturelle Räume zu schaffen. Angefangen hatte alles mit einem politischen Donnerstag im Peter Weiss Haus, bei dem die Idee das erste Mal vorgestellt wurde. Über 60 Leute diskutierten bei der Veranstaltung darüber, was Mensch alles mit den Räumen machen und wer sich vorstellen könnte auch dort zu wohnen. Im weiteren Verlauf kristallisierte sich eine 10-köpfige Gruppe heraus. Es wurde sich für das Gebäude in Toitenwinkel entschieden, vor allem aus politischen Gründen. In unmittelbarer Nähe des Gebäudes wurde Mehmet Turgut mit drei Kopfschüssen an einem Dönerimbiss von den Mitgliedern des NSU-Komplexes ermordet. Das Gebäude sollte den Namen Mehmet Turgut erhalten und wollte sich als Erinnerungs- und Aufarbeitungsort verstehen. Der Verein entschied sich dafür, eine parlamentarische Entscheidung durch die Bürgerschaft über ihr Projektvorhaben herbeizuführen. Die Gruppe hat etliche Stunden damit verbracht sich mit dem Bauamt der Stadt auseinanderzusetzen, ihr Projekt in den einzelnen Fraktionen und Ortsbeiräten vorzustellen, weitere Mitstreiter*innen zu gewinnen und Öffentlichkeit für sich zu schaffen. Am Ende hat die Bürgerschaft entschieden. Mit 24 zu 22 Stimmen wurde gegen den Erhalt des Gebäudes in Toitenwinkel entschieden, wobei sich die Entscheidung durch Fraktionszwang und die Verweigerung der Umsetzung des Städtischen Plans der „Ermöglichung alternativer Wohnformen“ auszeichnete.

Vor der Bürgerschaftssitzung am 6.Juli gab es eine letzte Kundgebung auf dem Neuen Markt, bei dem wir in einem Redebeitrag die soziale und politische Dimension des Ganzen deutlich machten:

Wohnraum ist zu einer heiß umkämpften Ware geworden. In Westdeutschland werden schon seit den 70er Jahren lukrative Geschäfte mit Wohnraum gemacht. Mit der Wende wurden dann auch die neuen attraktiven Wohnräume in Ostdeutschland für die Vermarktung und Verwertung frei gegeben. In den letzten Jahren, insbesondere durch die Finanzkrise, hat sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter zugespitzt. Massive Privatisierungen kommunaler Wohnbestände, fadenscheiniger Sozialbau – so fern er überhaupt statt findet – übereilter Abriss von Wohnungsbeständen und Wohnraum als Investitionsmarkt haben die Mieten immer weiter in die Höhe getrieben.

Dabei ist oft nicht die Bausubstanz oder die Qualität der Wohnräume das ausschlaggebende Kriterium. Wie der Makler so schön sagt, der Mietpreis einer Wohnung resultiert aus ihrer Lage, Lage, Lage. Der Ort und sein Ansehen bestimmen den Preis unserer Wohnungen. Ist das Viertel gerade cool, hip und sexy, wollen Immobilienmakler und viele Vermieter daraus Geld machen. Die Folge – der Mietpreis unserer Wohnungen steigt.

Die Folge dieser Politik ist die Vertreibung, Isolierung und Ghettoisierung. Alleinerziehende, prekär Beschäftigte, Menschen ohne Arbeit, Kranke, Rentner, Geflüchtete und alle, die sonst nicht genug Geld haben, müssen weichen. Sie werden oft an die Ränder der Städte gedrängt. Dort mangelt es nicht nur an kulturellen Freizeitangeboten, sondern oft auch an Einkaufsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung und Verkehrsanbindungen.

Nicht der Markt soll darüber entscheiden, wie wir wohnen, sondern wir selber sollten darüber entscheiden. Der Verein Soziales Rostock hat sich genau das zum Ziel gemacht. Sie wollen aus dem ehemaligen Stadtteilbegegnungszentrum in Toitenwinkel ein Wohnprojekt mit sozio-kulturellen Räumlichkeiten entstehen lassen. Seit mehr als über einem Jahr treffen sie sich und arbeiten daran, ihre Utopie Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei haben sie sich auch nicht vom Spießrutenlauf durch die Ämter entmutigen lassen. Doch die Stadt Rostock, die in ihren eigenen Entwicklungsleitlinien vorgibt alternative Wohnmodelle zu fördern, möchte das ehemalige Stadtteilbegegnungszentrum abreißen. Es soll abgerissen werden, damit dort Platz entsteht. Platz für Wohnraum, jedoch bei dem nicht die Menschen die dort wohnen entscheiden, sondern, bei dem der Markt darüber bestimmt wie die Menschen zu wohnen haben. Gewinner sind mal wieder Makler, Investoren und Eigentümer.

Wir sagen: Machen wir es wie die Leute von Soziales Rostock. Ergreifen wir die Initiative und bestimmen selber darüber, wie und wo wir wohnen wollen!

Die soziale Frage ist offen. Unsere Antwort: Solidarität!

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